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Lebenslauf von Ursula Kenel Schmid

Ursulas Leben weist viele Facetten auf, und wir haben versucht, diese alle zu vereinen. Wir haben Ursula als Tochter, Schwester, Ehefrau und Mutter, als Sportlerin und Arbeitskollegin und Freundin gekannt.

Ursula wurde am 1. November 1961 geboren. Niemand bemerkte, dass ihre Mutter Zwillinge erwartete, deshalb war die Überraschung gross, als nach der Geburt von Hanni auch Ursula auf die Welt kam. Da sie stark untergewichtig war, blieb sie – wie zu dieser Zeit üblich - mehrere Wochen alleine im Kinderspital zurück. Sie wurde als kleinste der drei Geschwister wahrgenommen, und hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrer Zwillingsschwester.

Als eineiiger Zwilling hat sie stets darum gekämpft, als Individuum wahrgenommen zu werden. Als Schülerin hatte sie zwar noch grossen Spass daran, Nachbarn und Lehrer - aufgrund der sehr grossen Ähnlichkeit mit Hanni - in die Irre zu leiten. In der Familie betrachteten wir immer wieder Fotos aus dieser Zeit und waren erstaunt, dass sie sich auf Fotos aus der Primarschulzeit manchmal selber nicht erkannte.

Ausdauer hat sich Ursula beim Tourenski-Fahren erworben. Schon als kleines Mädchen durfte oder musste sie mit ihrem Vater anstrengende Ski-Touren unternehmen. Es kam vor, dass die ganze Familie mit den Fellen parallel zum Skilift aufstieg. Dies hat sie geprägt. Dem Skifahren blieb sie trotzdem treu und machte ihre erste Sportkarriere in der Skiakrobatik. Mit dem Eintritt ins Berufsleben hat sie sehr auf Autonomie geachtet, und sich alleine nach Genf begeben, später nach London. Der Kontakt zu ihrer Familie blieb in dieser Zeit eng.

Mit 25 Jahren lernte Ursula ihren späteren Ehemann Peter kennen. Die Hochzeitsfeier mit den von Pferden gezogenen Wagen ist uns allen in Erinnerung und als Symbol zum Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft wahrgenommen worden.

Ursula engagierte sich ab 1988 im Aktionsforum Mutterschaft ohne Zwang. Aus diesem entstand der Verein appella, in dem sie Rechnungsprüferin war. Hier fand sie Freundinnen.

Die Geburt ihres Sohnes Roman hat Ursula überwältigt und sie war sich ihrer Verantwortung als Mutter bewusst, hat diese aber manchmal als einengend wahrgenommen.

Schon rasch ist ihr klar geworden, dass sie sich beruflich verändern will. Als junge Mutter hat sie sich deshalb entschlossen, unterstützt von ihrem Ehemann, die Ausbildung zur Sozialarbeiterin in Angriff zu nehmen. Während dieser Zeit kam Vera zur Welt. Dies hat sie nicht abgehalten, noch ein Nachdiplom als „Beraterin für Suchtprobleme“ zu erlangen.

Ursula hatte einen unbändigen Bewegungsdrang. Fühlte sie sich unter Druck, so hat sie ihre Turnschuhe angezogen, und ist erst mal Rennen gegangen. Diese Aktivität hat sie intensiviert und ausgedehnt Schon bald startete sie bei Volksläufen und steigerte ihre Leistung, bis sie 2005 in ihrer Alterskategorie Gesamtfünfte am Zürilaufcup wurde. In dieser Zeit trat sie dem SSC bei, wo sie viel Unterstützung und bleibende Freundschaften fand. Danach suchte sie eine neue Herausforderung und fand sie im Triathlon. Radfahren war ihr nicht gänzlich unbekannt, da sie schon regelmässig mit ihrem Mann Peter Mountain-Bike und Rennrad fuhr. Mit ihrem unbändigen Willen nahm sie auch noch das Schwimmen in Angriff. Dank ihres Talents war sie schon nach kurzer Zeit erfolgreich.

Wir waren stolz auf sie, wie sie Erfolg um Erfolg errungen hat. Oft mit Sorge haben wir ihre Aktivitäten beobachtet, und uns gefragt, warum sie sich das Leben nicht einfacher macht, und ihren Trainingsplan beiseitelegt.

Wir fürchten, dass wir ihr nicht immer die verdiente Aufmerksamkeit zukommen liessen. Sie hat weiter gemacht, gekämpft und Siege errungen, auch über sich selber. Wir erinnern uns, wie ihre Füsse nach einem Wettkampf ausgesehen haben, und uns gefragt, wie diese kleine zierliche Person dies schafft.

Dass ihre beiden Kinder sich sportlich betätigen sollen, war ihr ein grosses Anliegen. So sollten Roman und Vera unbedingt Skifahren lernen, und Ursula hat ihnen dies mit grossem Einsatz beigebracht. An zahlreichen Winterwochenenden fuhr sie mit ihnen in die Berge, und achtete darauf, dass sie sich in den Ferien sportlich betätigten.

Abends hat sie manchmal bei uns vorbeigeschaut, um nachzusehen, wie es uns geht, dies hat uns berührt. Einmal erschien sie ganz aufgeregt mit Vera, um uns mitzuteilen, dass sie und Peter nun endlich eine eigene Wohnung gefunden haben, die so gross ist, dass jeder sein Zimmer hat und bei Einladungen und Festen endlich Platz für alle da ist. Darauf haben wir uns alle gefreut.

2008 wagte sie sich erstmals an den Ironman Zürich – volle Distanz – und wurde sogleich Dritte in ihrer Kategorie und verpasste so nur knapp die Qualifikation für Hawaii. Dies spornte sie nur noch mehr an. Dank Trainingsplänen machte sie weitere Fortschritte, und gewann 2009 den Ironman Zürich in ihrer Alterskategorie 45 – 49. Ihrem Ziel und grossen Wunsch, am Ironman in Hawaii teilzunehmen, stand nichts mehr im Wege.

Fast ungläubig haben wir erfahren, wie sie sich von Disziplin zu Disziplin steigern konnte, ihren Rückstand in einen Vorsprung verwandelte und Weltmeisterin wurde.

Diese gemeinsame Reise mit Peter und Vera nach Hawaii im vergangenen Oktober hat Ursula mit Glück erfüllt. Sie freute sich darauf, auch dieses Jahr nach Hawaii zu reisen und ihren Titel zu verteidigen. Vorbereitungen dazu hatte sie schon getroffen. Als Hauptprobe war der Halfironman in Rapperswil vom 6. Juni vorgesehen. Diesen hat sie mit über 10 Minuten Vorsprung gewonnen. Selten haben wir Ursula so zufrieden und erfüllt erlebt. Noch nie hat sie sich so in Form gefühlt.

So unerwartet, wie Ursula zur Welt gekommen ist, hat sie uns nun verlassen. Ihr Unfalltod hat uns in aller Härte getroffen.

Wir stehen fassungslos da, sind untröstlich über unseren Verlust; aber auch dankbar dafür, dass sie uns Vorbild war und sein wird.

Susanne Kenel, Horgen 16. Juni 2010

-- PeterSchmid - 2011-01-01